Heimautomatisierung im Eigenbau

27.01.2014 09:03 von Christian Düll (Kommentare: 1)

Technisch gesehen besitzt unser Haus zwar die Basisfunktionen (Heizung, Lüftung, Strom, Wasser etc.), ist aber nicht sehr intelligent. Bei der Planung hatten wir das Thema Haussteuerung via Bussystem zwar auf dem Radar, jedoch wurde es aus Kostengründen schnell wieder gestrichen. Das Kosten-/Nutzenverhältnis fertiger Lösungen via EIB/KNX etc., steht meiner Meinung nach auch in keinem Verhältnis.

Was macht Sinn, was nicht?

Das Thema Heizungssteuerung ist bei trägen Fußbodenheizungen und extrem gedämmten Häusern kaum interessant und in der Praxis schalten wir unser Heizung im Winter ein und im Frühjahr wieder aus. Eine komplexe Steuerung braucht es dazu nicht. Die Lüftungsanlage läuft permanent, aber sehr reduziert, was ich als ausreichend empfinde.

Viel interessanter ist da schon die Steuerung von Jalousien. Wir haben im Wohnbereich 4 Raffstores verbaut und leider sind diese derzeit nur manuell per Taster steuerbar. In den letzten zwei Jahren hatten wir jedoch schon öfter den Fall, dass wir unterwegs waren als ein Unwetter aufgezogen ist und unsere Raffstores ausgefahren waren. Um Schäden durch Starkwind zu vermeiden, mussten wir notgedrungen unseren Nachbarn bitten die Jalousien hochzufahren. Hier liegt es also nahe, nachträglich eine kleine Steuerung der Raffstores per Smartphone oder in Abhängigkeit vom Wetter zu integrieren.

Auf der Suche nach passenden Lösungen, waren mir folgende Kriterien wichtig:

  • kostengünstig
  • stromsparend
  • flexible Integration und Nutzung verschiedener Standards (FS20, Onewire, ..)
  • Steuerung per Kabel und Funk
  • offenes System basierend auf Linux – keine Abhängigkeit von Herstellern
  • individuelle Schnittstellen für z.B. eigene Webfrontends
  • Bedienung via Touchscreen oder Tablet
  • Integration von eigenen Schaltungen via Arduino

Relativ schnell bin ich dann auf das Open Source System FHEM gestoßen, das zwar recht "nerdig" daher kommt, aber nahezu alle Kriterien erfüllt. Ausführliche Informationen zu FHEM findest Du auf der Projekt-Website. Für den technisch wenig versierten Hausherrn ist das System sicherlich nicht geeignet, wer jedoch Lust auf ein paar Bastelstunden hat und sich etwas mit Programmierung auskennt, wird seinen Spass haben und viel Geld sparen.

Aktueller Stand

FHEM ist in Perl programmiert und somit auf vielen Systeme lauffähig. Bei mir kommt derzeit ein UDOO Board zum Einsatz. Für Schaltung per Funk nutze ich das günstige FS20 System in Kombination mit einem BUSWARE USB Sender/Empfänger. Alternativ zum UDOO kann man übrigens auch eine vorhandene Fritzbox verwenden. Eine kurze Anleitung, wie man den Busware-USB-Stick auf dem UDOO zum Laufen bekommt, findest Du im novo.media-Blog.

Hardware / Kostenrechnung

Bauteil Kosten
UDOO Board 84,50 Euro
5V-Netzteil 6,00 Euro
16 GB Micro-SD Class 10 Speicherkarte 11,00 Euro
CC1101 - USB - Lite module - V3 57,40 Euro
ELV FS20 KSE Funk-Klingelsignal-Erkennung
19,00 Euro
wansview WiFi Pan Tilt IP Kamera 43,00 Euro

Bereits integrierte Funktionen

  • Benachrichtigung via Twitter Direct Message / E-Mail wenn jemand an der Haustür klingelt
  • Optional kann der Benachrichtigung auch ein Bild des Besuchers angehängt werden
  • Türöffner via Android-Widget betätigen (aus Sicherheitsgründen funktioniert diese Schaltung nicht per Funk sondern via Kabel)

Nächsten Funktionen auf dem Plan

  • Raffstore-Steuerung per Smartphone
  • Raffstore-Steuerung per Windmesser
  • Überwachung Fenster im Lichthof bei Abwesenheit
  • Monitoring der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit im Haus mit eigenen Sensoren. Zur Übertragung will ich die vorhandenen Netzwerkkabel umfunktionieren :)

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Kommentar von tassilo.meyer | 25.02.2015

Danke für die Vorstellung, habe vorher noch nie was von FHEM gehört. Werde ich mir mal genauer anscheuen.
Gruß
TM